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Am Rande vermerkt: Finanzindustrie alleine sprengt globales Kohlenstoffbudget

Zwei Tage vor dem Jahrestag der Verabschiedung des Pariser Abkommens veröffentlichen 18 NGOs einen gemeinsamen Bericht, der 12 der verheerendsten Kohle-, Öl- und Gas-Projekte vorstellt, die derzeit geplant oder erweitert werden. Diese Expansionsprojekte allein würden drei Viertel des Kohlenstoffbudgets verbrauchen, das uns bleibt, wenn wir die globale Erderwärmung auf 1,5 Grad begrenzen wollen.

Was steht im Bericht?

Der Bericht „Five Years Lost“ (Fünf verlorene Jahre) enthüllt, welche Banken und Investoren diejenigen Unternehmen unterstützen, die große, umstrittene Projekte zur Expansion von Kohle, Öl und Gas entwickeln. Die 12 Fallstudien heben hervor, welche CO2-Emissionen diese Projekte verursachen und wie sie die Umwelt zerstören und Menschenrechte – insbesondere durch Gesundheitsschäden – verletzen sowie die Rechte indigener Völker mit Füßen treten.

Die Fallstudien sind: Gasförderung in Mosambik; Öl- und Gasentwicklung in Suriname; Bohrungen im Permischen Becken in den USA; Öl- und Gasförderung in der argentinischen Region Vaca Muerta; Kohle und Gas im Payra Hub in Bangladesch; Chinas Kohlepipeline; Indiens Kohleminen; Kohleexpansion in den Philippinen; Gasförderung im Rahmen des australischen Burrup Hub; Bohrungen für Öl und Gas in der norwegischen Barentssee; Öl- und Gasprojekte und Pipelinebau im östlichen Mittelmeerraum; und Offshore-Bohrungen in Großbritannien.

Zusammen werden die 12 Projekte voraussichtlich mindestens 175 Gigatonnen zusätzliches CO2 ausstoßen, wenn sie wie von den beteiligten Unternehmen beabsichtigt ausgebaut werden. Das sind 75% des verbleibenden Kohlenstoffbudgets von 235 Gt um die globale Erwärmung mit einer Wahrscheinlichkeit von 66% auf 1,5 Grad zu begrenzen.

Diese Studie untermauert wie wichtig es ist, eine internationale Kampagne für die Vergesellschaftung und demokratische Kontrolle der fossilen Energiekonzerne zu starten. Unter gesellschaftlicher Kontrolle müssen diese Konzerne in wenigen Jahren komplett aus den fossilen Energien aussteigen. Die Konzerne sind runterzufahren. Die Beschäftigten sollen ihre Intelligenz für andere – nachhaltige – Tätigkeiten verwenden. Das ist eine wichtige Komponente einer ökosozialistischen Strategie.
Impulse für diese Strategie finden sich im Buch „Revolution für das Klima“:

von Christian Zeller

[Am Rande vermerkt] ist eine Serie von Kurzartikeln. Wir wollen damit tagesaktuelles Geschehen kommentieren, einordnen, auf Veränderungen aufmerksam machen. Eine konsequente linke, antikapitalistische Politik zeichnet sich unseres Erachtens nicht nur dadurch aus, die grossen Analysen abzuliefern. Vielmehr gehört es für uns dazu, auch kleinere, unscheinbare Entwicklungen, skandalöse Aussagen und Auffälliges einordnen zu können.

Die kurze Form, der eher flüchtige Charakter und die zeitliche Nähe, die allesamt diese Artikelserie ausmachen, führen dazu, dass die hier geäusserten Einschätzungen vorübergehend sein können und nicht zwangsläufig mit den Ansichten unserer Organisation übereinstimmen müssen. Die Autor:innen und die verwendeten Quellen sind deshalb jeweils gekennzeichnet. Textvorschläge sind jederzeit herzlich willkommen.

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