Zahlreiche Fluggesellschaften, darunter die Swiss, befinden sich aufgrund der Coronapandemie und der Wirtschaftskrise vor dem Grounding. Diese Tage soll der der Bundesrat darüber befinden, ob die öffentliche Hand mittels Steuergeldern den Fluggesellschaften unter die Arme greifen soll.
Eine neu lancierte Kampagne von ignorance unlimited auf der Plattform Campax fordert nun, dass keine Steuergelder für die klimaschädliche Flugbranche aufgewendet werden sollen. Auf der Online-Campaigning-Plattform steht dazu:
«Aufgrund von Covid-19 und der Wirtschaftskrise hat die Swiss ihren Flugbetrieb um 80 Prozent reduziert. Um ein drohendes Grounding abzuwenden, beantragte sie staatliche Unterstützung. In diesen Tagen sollen die Gespräche mit Wirtschaftsminister Guy Parmelin stattfinden. Die Swiss ist mit ihrem Antrag nicht alleine: Auch EasyJet Switzerland hat beim Staatssekretariat für Wirtschaft (SECO) angeklopft.
Nur rund fünf Prozent aller Menschen haben je ein Flugzeug bestiegen. Doch diese Minderheit verursacht enorme Emissionen: Die Fliegerei ist weltweit für knapp fünf Prozent des menschengemachten Klimaeffekts verantwortlich, in der Schweiz sogar für über 18 Prozent.
Die aktuelle Wirtschaftshilfe sollte nicht klimaschädlichen Fluggesellschaften unter die Arme greifen, sondern in den Umbau hin zu einer nachhaltigen und solidarischen Gesellschaft gesteckt werden.
Deshalb fordern wir Guy Parmelin auf: Keine Schweizer Steuergelder für die klimaschädliche Flugbranche – Keep it grounded!»
Prinzipiell ist es völlig richtig, dass man sich gegen die staatliche Unterstützung klimaschädlicher Wirtschaftsbereiche ausspricht. Allerdings versäumen es die Initiant*innen der Petition darauf einzugehen, wie der «Umbau hin zu einer nachhaltigen und solidarischen Gesellschaft» angepackt werden soll. Konkret: Was soll mit den Angstellten von Swiss, Easyjet, dem Flughafenpersonal und den angegliederten Beschäftigten geschehen? Erhalten diese Menschen Lohnfortzahlungen, wenn die Fluggesellschaften Pleite gehen?
Aus meiner Sicht müsste die Forderung «Keep it grounded» explizit auch auf die Lohnabhängigen umweltschädlicher Branchen Bezug nehmen. Im Falle der Campax-Kampagne wären folgende Ansätze denkbar:
- Alle vom Grounding betroffenen Angestellten erhalten während zwei Jahren uneingeschränkte Lohnfortzahlungen, sofern sie keine neue Erwerbsarbeit finden.
- Ehemalige Angestellte, die sich zu einer Um- oder Weiterbildung entschliessen, erhalten für den gesamten Zeitraum der Fortbildung finanzielle Unterstützung, sodass sie gegenüber ihrer bisherigen Lohnarbeit keinerlei Einkommensverluste hinnehmen müssen.
- Anstatt die Fluggesellschaften sowie die Flughäfen einfach Pleite gehen zu lassen, sind gemeinsam mit den Beschäftigten Überlegungen anzustellen, wie die vorhandene Infrastruktur und das vorhandene Wissen gesellschaftlich sinnvoll umgenutzt und reorganisiert werden kann.
Nur wenn wir es schaffen, gemeinsam mit den Lohnabhängigen der jeweiligen Branchen den dringend notwendigen ökologischen Umbau in Angriff zu nehmen, können wir Erfolg haben.
von David Ales