Noch immer verdienen Frauen in der Schweiz durchschnittlich 15-20% weniger als ihre männlichen Arbeitskollegen. Nicht zuletzt hat dies negative Auswirkungen auf die Altersvorsorge der Frauen. Für 2017 sind zudem eine Reihe von Angriffen auf die AHV geplant. Unter anderem ist die Erhöhung des Frauenrentenalters auf 65 vorgesehen. Die Diskussion um Gleichstellung von Frau und Mann ist leider aktueller denn je. (Red.)
von BFS/MPS
Lohngleichheit jetzt!
Dieser Slogan ist bis heute nicht Realität geworden. Schauen wir uns deshalb genauer an, wie Frauen in unserer Gesellschaft diskriminiert werden. Obwohl die Lohngleichheit seit 1981 in der Schweizer Verfassung verankert ist, verdienen Frauen durchschnittlich 15-20% weniger als Männer. Im Versicherungs-, Finanz- und Bankensektor beläuft sich diese Differenz nach offiziellen Angaben gar auf 30% bis 40%. Eine Arbeitsteilung zwischen den Geschlechtern ist die Ursache dieser Lohndiskriminierung. Denn Frauen und Männer müssen mehrheitlich andersartige Arbeiten erledigen. Schon nach der Schule wählen Frauen weniger prestigeträchtige Berufswege, obwohl sie durchschnittlich bessere Noten erzielen. So arbeiten Frauen öfters auf weniger qualifizierten Berufen, wie beispielsweise in der Pflege, im Verkauf oder in der Reinigung. Aber Achtung: Das heisst nicht, dass diese Arbeiten weniger anspruchsvoll sind! Indem diese Berufsfelder aber mit sogenannt «weiblichen» Eigenschaften in Zusammenhang gebracht werden, wird so getan, als ob die Frauen dafür gar nicht oder geringer bezahlt werden müssen. Doch Frauen werden nicht nur wegen ihres Geschlechts, sondern auch wegen ihrer Nationalität, ihrer Klasse oder ihres legalen Status diskriminiert. Deswegen werden Frauen ohne Aufenthaltsbewilligung auch am meisten ausgebeutet.
Doch es gibt nicht nur die Lohnarbeit…
Es scheint so, als ob alle Frauen zur häuslichen Arbeit verpflichtet seien. Männer hingegen – so der Grundtenor – könnten individuell entscheiden, ob sie den Haushalt oder die Kinderbetreuung übernehmen. Denn Vorrang hat natürlich immer noch die Karriere… Mehr als die Hälfte der lohnabhängigen Frauen arbeiten Teilzeit, um diese «notwendigen» Aufgaben zu übernehmen. Das also wird «Vereinbarung von Familie und Beruf» genannt! Eine neue Studie des Bundesamts für Statistik zeigt, dass zwei Drittel der bezahlten Arbeit von Männern verrichtet wird, während zwei Drittel der unbezahlten Arbeit von Frauen ausgeübt wird. Frauen verdienen also nicht nur einfach weniger Geld. Während insgesamt 8,7 Milliarden Stunden pro Jahr arbeiten sie in der Schweiz vollkommen gratis! Ob auf kantonaler oder nationaler Ebene, die Sparpolitik wird insbesondere auf dem Rücken der Frauen ausgetragen. Denn stehen weniger Mittel für die Pflege von Kindern und bedürftigen Personen zur Verfügung, müssen Frauen diese Aufgaben übernehmen. All dies selbstverständlich gratis! Durch die Arbeitsteilung zwischen den Geschlechtern können die Arbeitgeber den Frauen schlechte Arbeitsbedingungen aufzwingen: tiefe Löhne, unfreiwillige Teilzeitarbeit, Arbeit auf Abruf, usw. Nach und nach werden so prekäre Anstellungen in der ganzen Gesellschaft gerechtfertigt. Die Diskriminierung macht also nicht bei den Frauen halt. Die Jungen und die Eingewanderten sind weitere Opfer dieser generellen Verschlechterung der Arbeitsbedingungen.
Und die Rente?
Selbstverständlich hat diese geschlechtliche Arbeitsteilung auch Auswirkungen auf die Renten. Nur gerade sechs von zehn Frauen haben Anrecht auf eine Rente aus den Pensionskassen. Das Paket von SP-Bundesrat Berset wird mit der Erhöhung des Rentenalters für die Frauen und der Förderung der zweiten Säule zu Ungunsten der AHV diese Diskriminierung nochmals verstärken. Die Lohngleichheit ist also nur die Spitze des Eisbergs. Eine egalitäre Gesellschaft benötigt tief greifende Veränderungen. Ohne folgende Punkte bleibt die Gleichstellung zwischen Männern und Frauen nur auf dem Papier bestehen:
- Eine drastische Senkung der Arbeitszeit ohne Lohnkürzungen! Nur so können sich Männer und Frauen den Aufgaben im Bereich der Pflege und der Ausbildung widmen.
- Zugang zu kostenloser Kinderbetreuung!
- Keine profitorientierten Pflegestrukturen, stärkere Kontrolle der öffentlichen Dienste durch die Nutzer!
- Selbstorganisation der Frauen! Nur so können die Mentalitäten und Praktiken verändert werden!