Menu Schließen

8. März, 14. Juni, alle Tage – Gründe gibt’s genug!

Angesichts der sich verstetigenden, für uns alle spürbaren Krisenhaftigkeit des Kapitalismus wird die Überwindung dieses Wirtschaftssystems dringender denn je. Zugleich stellen sich reaktionäre und neoliberale Autoritarismen vielerorts als Alternative zum krisenhaften Status Quo auf und der antifeministische Backlash gewinnt an Zulauf. Auch deshalb müssen sich die emanzipatorischen Bewegungen – insbesondere auch die feministische – damit auseinandersetzen, wie eine nicht-kapitalistische Welt aussehen könnte – und wie wir dahin kommen. Deshalb haben wir von der Bewegung für den Sozialismus eine Kampagne zum feministischen Streik am 14. Juni 2023 gestartet, in der wir den vielfältigen Gründen zum Kämpfen nachgehen und Antworten darauf entwickeln.

von BFS Zürich

Krise der sozialen Reproduktion – Mehr Zeit für Sorgearbeit und Fürsorge

Wir befinden uns mitten in einer Krise der sozialen Reproduktion, denn wir haben weder privat Zeit und Kraft, um für uns und unsere Nächsten zu sorgen, noch wird gesellschaftlich genug Geld aufgewendet, um den Care-Bereich nachhaltig zu finanzieren. Dies führt zu einer ständigen Verschlechterung der Versorgungslage sowie zur Doppel- und Dreifachbelastung von Care-Gebenden. Deshalb brauchen wir eine radikale Arbeitszeitverkürzung bei gleichbleibendem Lohn. Denn wir brauchen die Zeit, um uns gegenseitig Sorge zu tragen, Kollektivitätsgefühl, die Musse und die Kreativität zu entwickeln, um eine “andere” Welt vorstellbar zu machen – und dafür zu kämpfen. 

Produktion – Produktion für die Bedürfnisse Aller statt nur für Profit

Wir müssen weniger produzieren, weil wir weniger brauchen und weniger arbeiten wollen. In einer Welt mit endlichen Ressourcen und angesichts der jetzt schon zerstörerischen Realität der Erderwärmung kann die Güterproduktion nicht weiter wachsen. Stattdessen müssen die Güter neu und gerecht verteilt werden – und das weltweit. Denn Lebensqualität bedeutet nicht möglichst viele Waren konsumieren zu können, sondern dass wir gemeinsam selbstbestimmt entscheiden können, wie wir uns mit der Umwelt und unseren Mitmenschen in Beziehung setzen!

Privateigentum – Kollektivierung von Vermögen und Produktionsmitteln

Wir leben in einem System, in dem ein Viertel des gesamten Reichtums einem Prozent der Menschen gehört; in dem Vermögen durch Erbe weitergegeben wird; in dem die Schere zwischen Arm und Reich stetig weiter aufgeht. Die Besitzenden investieren dort, wo am meisten Profit abgeschöpft werden kann – und nicht dort wo es nötig wäre, um unsere Lebensbedingungen angesichts der Klimakrise und des alltäglichen Elends von Armut und Ausbeutung zu erhalten oder zu verbessern. Deshalb muss das Privateigentum an Vermögen, Immobilien und Produktionsmitteln abgeschafft und der Reichtum sozial und global verteilt werden, sodass die Entscheidung über Investitionen eine gesellschaftliche ist.

Arbeit – Reproduktion vor Produktion

Gesellschaftlicher Reichtum wird durch unsere Arbeit(skraft) und die Ausbeutung der Natur produziert. Unsere Arbeitskraft wird für sinnlose Produktion und Mehrwertanhäufung ausgebeutet, anstatt dass wir sie für die gesellschaftlichen Bedürfnisse einsetzen können. Da wir es sind, die arbeiten, gibt dies uns aber auch die Macht, mit der Arbeit aufzuhören, zu streiken und dadurch Veränderungen in den Eigentumsverhältnissen, der Produktion und Reproduktion in Gang zu setzen. Wir müssen die Reproduktion eines guten Lebens für alle vor die profitorientierte Produktion stellen, ihr mehr Zeit und Wertschätzung beimessen. Wir brauchen eine massive Aufwertung der Reproduktionsarbeit. Arbeit muss gesellschaftlich sinnvoll und individuell sinnstiftend sein. 

Geschlecht – Für eine Welt, in der Geschlecht nicht mehr unsere Leben bestimmt

Unsere gesellschaftliche Arbeitsorganisation basiert unter anderem auf der Teilung und Zuweisung von Arbeiten, Zuständigkeitsgebieten, Räumen und sozialen Rollen nach Geschlecht. Die geschlechtsspezifische Arbeitsteilung basiert auf der Einteilung der Menschen in zwei Geschlechter: Männer werden zur Norm erklärt und Frauen als das Andere abgewertet. Wir wollen eine Welt, in der wir alle, unabhängig von Geschlecht, ein besseres Leben frei von Zwang, Gewalt und Abwertung führen können. Unsere Entfaltung als Menschen soll nicht von gesellschaftlich konstruierten binären Geschlechterrollen und deren gewaltsamen Durchsetzung behindert werden.

Gewalt – Gemeinschaft und Solidarität statt Grenzen und Gewalt

Gewalt hält Ungleichheit und Ausbeutung aufrecht. Sowohl rassistische Polizeigewalt, militarisierte Grenzregimes, sexualisierte Gewalt im Haus oder auf den Strassen, Gefängnisse, Entrechtung von Migrant*innen, Verwehrung des Rechts auf Selbstbestimmung über den eigenen Körper, usw.: Alle diese Formen der Gewalt dienen der Aufrechterhaltung von Unterdrückung, von Eigentumsverhältnissen, der Geschlechterordnung und der internationalen Arbeitsteilung. Krieg und Krise zeigen uns, dass es notwendiger ist denn je, anstatt kapitalistischer Konkurrenz Solidarität und Gemeinschaft aufzubauen – eine feministische Solidarität, die internationalistisch gegen Krieg, Kapital und Patriarchat kämpft.

Für einen antikapitalistischen Feminismus, gegen liberale Scheinlösungen

Wir lehnen (neo-)liberale Formen von Feminismus ab. Diese schwächen unsere emanzipatorische Bestrebungen. Sie garantieren feministische Errungenschaften nur für einen privilegierten Teil der vom Patriarchat unterdrückten Personen und zementieren die Ausbeutung der anderen. Unser Feminismus ist antikapitalistisch und revolutionär. Denn die Geschlechterverhältnisse sind Teil der sozialen Verhältnisse im Kapitalismus. Frauen, Inter-, Non-binäre-, Trans- und Agender Personen sind nicht halbtags von patriarchalen und halbtags von kapitalistischen Strukturen betroffen, sondern beides gleichzeitig. Die Verhältnisse sind untrennbar miteinander verwoben. Für uns sind deshalb emanzipatorische Kämpfe gegen unterdrückerische, ausbeuterische und rassistische Verhältnisse immer auch feministische Kämpfe.


Meldet euch bei uns, wenn ihr euch an unserer Kampagne beteiligen wollt. Bereiten wir uns jetzt schon vor!

Verwandte Artikel

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert