Home Das Andere Davos 2019

Streik! Organisieren, kämpfen, Widerstand!

Wann/Wo:

Fr., 11. Januar 2019
19:00-21:30 Uhr
Sa., 12. Januar 2019
10:30-20:00 Uhr
im Volkshaus Zürich
Stauffacherstr. 60,
8004 Zürich

Soliparty und Essen:

Samstag, 12. Januar 2019 ab 21:00 Uhr
im Provitreff,
Sihlquai 240,
8005 Zürich:
Essen, Konzerte, Party!

kostenlose Kinderbetreuung:

Sa., 12. Januar 2019: 10:30 Uhr im Foyer des Volkshaus und ab 11:00 Uhr in der Spielbaracke auf dem Kanzleiareal.
Weitere Infos hier.

Spenden:

Falls du einen finanziellen Beitrag zur Organisation des Anderen Davos 2019 leisten möchtest, gäbe es hier die Möglichkeit, via PayPal einen selbstgewählten Betrag zu spenden.

Auch diesen Januar findet in Davos das World Economic Forum (WEF) statt. Dieses Treffen vereint die mächtigsten „Wirtschaftsführer“, einflussreiche Politiker*innen sowie die Verantwortlichen von internationalen Institutionen wie IWF, WTO oder EZB. Die Organisator*innen und Teilnehmer*innen des WEF versuchen der Öffentlichkeit zu zeigen, dass sie ernsthaft an der Lösung gesellschaftlicher Probleme interessiert seien. Dabei sind es gerade sie, die als Repräsentant*innen der kapitalistischen Wirtschafts- und Gesellschaftsordnung täglich Armut und Unterdrückung verursachen und damit den Nährboden für die allgegenwärtige, fremdenfeindliche Hetze bereiten.

Um eine Gegenöffentlichkeit zum WEF zu schaffen, organisiert die Bewegung für den Sozialismus (BFS) im Volkshaus Zürich am Freitag, 11. Januar und Samstag, 12. Januar 2019 wie jedes Jahr ein alternatives Forum – das Andere Davos.

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Am diesjährigen Anderen Davos stellen wir Streiks in ihren unterschiedlichen Formen ins Zentrum der Debatten. Ein besonderes Augenmerk legen wir dabei auf die Frauen*streiks in Spanien und der Schweiz, die 2019 stattfinden werden.

Kollektive Arbeitsniederlegungen geben uns immer wieder Anlass zur Hoffnung – insbesondere in Zeiten, in denen es scheinbar zur Normalität gehört, dass Migrant*innen aufgrund ihrer Herkunft durch europäische Strassen gehetzt werden; sexistische Übergriffe zum Arbeitsalltag von Frauen* gehören; der Sozialstaat bis zur Unkenntlichkeit zusammengestrichen wird; das Recht auf eine bezahlbare Wohnung nur noch auf dem Papier existiert; die Arbeitsbedingungen flächendeckend prekäre Zustände annehmen und Lohnerhöhungen schon fast prähistorische Obskuritäten darstellen.

Wenn Amazon-Arbeiter*innen in mehreren europäischen Ländern gleichzeitig streiken; wenn Lehrer*innen in vielen, mehrheitlich konservativen US-Bundesstaaten den Schulbetrieb lahmlegen; wenn Arbeiter*innen und Studierende in Frankreich das Land blockieren; wenn der universitäre Mittelbau in Deutschland oder England den Gehorsam verweigert und den Elfenbeinturm zum Wackeln bringt; wenn Frauen* im gesamten Spanischen Staat – und bald auch in der Schweiz – rufen «Wenn wir streiken, steht die Welt still!»; dann erkennen wir in Ansätzen die Konturen, wie eine andere, solidarische Welt aussehen könnte.

Ohne in blinde Hoffnung zu verfallen und die gegenwärtig so beängstigende Lage in Europa und anderswo zu verkennen, bestätigen diese Ausbrüche kollektiven Unmutes unsere historische Überzeugung, dass sich das Bewusstsein der Lohnabhängigen während kollektiven Aktionen sprunghaft verändern und radikalisieren und Solidarität an die Stelle von Individualismus und Fremdenfeindlichkeit treten kann.

Gleichzeitig wollen wir am Anderen Davos im Grossen danach fragen, warum auch sehr massive Streik- und Protestbewegungen immer wieder scheitern. Im Kleinen wollen wir darauf eingehen, welchen Schwierigkeiten wir als Lohnabhängige bei gewerkschaftlichen Organisierungsprozessen in unserem Berufs- und Bildungsalltag immer wieder begegnen.

Das Ziel des Anderen Davos ist es schliesslich, der Rechtsentwicklung in Europa und der Vernetzung der Herrschenden am WEF unsere solidarischen Ideen und die kollektive Organisierung von unten entgegenzusetzen. Wir wollen länderübergreifend Aktivist*innen aus unterschiedlichen politischen und gewerkschaftlichen Zusammenhängen zusammenbringen, uns mit ihnen austauschen, um schliesslich gemeinsam Perspektiven und Anstösse für eine solidarische Welt zu gewinnen. Unsere Gäste kommen dieses Jahr aus den USA, Italien, Frankreich, Deutschland, England und der Schweiz. 

Die Konferenz wird auf Deutsch, Englisch und Französisch übersetzt. Zudem wird am Samstag während dem ganzen Programm in der Spielbaracke auf dem Kanzleiareal eine Kinderbetreuung organisiert. Anschliessend an das offizielle Programm gibt es am Samstagabend eine Soliparty mit Essen im Provitreff in Zürich.

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Freitag, 11. Januar 2019, 19:00 – 21:30, Weisser Saal

Abendplenum: «Arbeiten und Streiken im 21. Jahrhundert»

In Deutschland, den USA und teilweise auch in der Schweiz hat die Streikhäufigkeit trotz der jahrzehntealten und stark institutionalisierten Tradition des Arbeitsfriedens in den letzten Jahren markant zugenommen. Gleichzeitig sind kollektive Arbeitsniederlegungen in einigen Ländern mit einer kämpferischen Gewerkschaftstradition, z.B. in Italien, zurückgegangen oder konnten, wie in Frankreich, nicht mehr an alte Stärken anknüpfen. Am Eröffnungsplenum des Anderen Davos 2019 möchten wir über Herausforderungen von kollektiven Arbeitsniederlegungen in unterschiedlichen Sektoren diskutieren und dabei auf spezifische Erfahrungen aus ausgewählten Ländern zurückgreifen, in denen es in den letzten Jahren zu bedeutsamen Streikbewegungen gekommen ist.

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Dabei gehen wir der Frage nach, welche Auswirkungen die Veränderung (Prekarisierung, «Digitalisierung» u.a.) unserer Arbeitsbedingungen auf die Möglichkeiten von kollektivem Widerstand am Arbeitsplatz haben und welchen Schwierigkeiten sich Streiks im 21. Jahrhundert stellen müssen.

In den USA haben während dem ganzen Jahr 2018 Lehrer*innen in unterschiedlichen Bundesstaaten für höhere Löhne, bessere Arbeits- und Lernbedingungen sowie gegen die Austeritätspolitik der letzten Jahrzehnte gestreikt. Die Lehrer*innenstreiks haben aufgrund ihres Ausmasses und ihrer Radikalität ein neues Kapitel in der US-amerikanischen Arbeiter*innenbewegung eröffnet. 

In Deutschland zeigten die Amazon-Arbeiter*innen 2018 gemeinsam mit ihren Kolleg*innen in Spanien und Polen, dass auch länderübergreifende Aktionen möglich – und gerade in einer derart digitalisierten und internationalisierten Branche – auch unumgänglich sind.

Die Arbeiter*innenbewegung in Frankreich hat in den letzten Jahren eine Niederlage um die andere eingefahren. Vor allem unter Präsident Emmanuel Macron haben sich die Angriffe auf die Arbeitsrechte und –bedingungen der Lohnabhängigen nochmals erheblich verschärft. Trotz teilweise massiven Streikbewegungen, konnten diese Angriffe nicht abgewehrt werden. Eine wirkungsvolle Antwort auf die neoliberale Politik Macrons gilt es also weiterhin aufzubauen. Die Bewegung der «Gelben Westen», die seit November 2018 im ganzen Land gegen Macron protestiert, könnte ein Ansatz dazu sein.

Die Gewerkschaftsbewegung in Italien ist in den letzten Jahren nicht mehr zu landesweiten Streikaktivitäten fähig gewesen. Und die Bedingungen für kämpferische Gewerkschaftsarbeit werden sich unter der neuen rechtsextremen Regierung der Lega und der 5-Sterne-Bewegung nicht verbessern, im Gegenteil. Trotzdem kam es in den letzten Jahren zu einigen bedeutenden Streiks in prekarisierten Sektoren, in denen vor allem Geflüchtete beschäftigt sind, z.B. in der Logistik oder in der Landwirtschaft. Aus diesen Erfahrung können wertvolle Lehren gezogen werden, die für die gesamte Arbeiter*innenbewegung in Italien nützlich sind.

Auch wenn in einigen Ländern gewisse Streiks für grosses Aufsehen gesorgt und neue Formen kollektiver Organisierung gezeigt haben, haben die Linke und die Arbeiter*innenbewegungen in Europa bisher keine längerfristigen Antworten gefunden, um den Rechten und Rechtsextremen Einhalt zu gebieten. Gerade die Verbreitung von rechtem und fremdenfeindlichen Gedankengut innerhalb der Arbeiter*innenklasse muss für uns deshalb Anlass sein, um darüber nachzudenken, welche Rolle kollektive Arbeitsniederlegungen im Kampf gegen die Rechtsentwicklung spielen können und welche Formen sie annehmen müssen, um zur Verbesserung unserer jahrzehntelang durch neoliberale Reformen verschlechterten Arbeits- und Lebensbedingungen beizutragen.

Mit

Olivier Besancenot, Arbeiter bei der französischen Post und Sprecher der Nouveau Parti Anticapitaliste (NPA),

Dana Blanchard, ehemalige Lehrerin in Kalifornien und Aktivistin der International Socialist Organization (ISO),

Eliana Como, Gewerkschafterin der FIOM und Aktivistin der Sinistra Anticapitalista in Italien,

Violetta Bock, Unterstützerin der Streiks bei Amazon und Aktivistin der Internationalen Sozialistischen Organisation (ISO) in Deutschland,

sowie Mike Zahn und Philipp Gebhardt, Aktivisten der Bewegung für den Sozialismus (BFS) aus Zürich.

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Samstag, 12. Januar 2019, 10:30 – 13:00

Weisser Saal:
Frauen*streik im Spanischen Staat

Am internationalen Frauen*kampftag 2018 sind in 177 Ländern Frauen* auf die Strasse gegangen, um gegen patriarchale Unterdrückung, Diskriminierung am Arbeitsplatz und sexualisierte Gewalt zu kämpfen. 

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Das Ziel des Streiks war es, während 24 Stunden die von Frauen* verrichtete Arbeit niederzulegen und auf die doppelte Belastung der Frauen* aufmerksam zu machen: die Lohn- wie auch die Hausarbeit, mit Betonung auf die ungleiche Entlohnung von Frauen* und Männern in der Lohnarbeit. Darüber hinaus sollte dieser Streik als Aufruf dienen und die Vernetzung der Frauen* fördern, um einen Kampf zu initiieren, welcher das ganze Jahr weitergeht. Alle Forderungen zum Streik wurden im „Manifest des 8. März“ festgehalten. Darin wurden vier Ebenen des Streiks proklamiert:

  • Arbeiterinnen*streik: Die betriebliche Niederlegung der Arbeit.
  • Studentinnen*streik: Aktionen an Bildungsinstitutionen, Unterrichtsboykott.
  • Konsumstreik: Eine Form, um darauf aufmerksam zu machen, welche Rolle Frauen* und ihre Körper in der Konsumgesellschaft spielen und wie der weibliche Körper in den Medien eingesetzt wird, um idealisierte Frauen*bilder zu verbreiten.
  • Care-Streik: Einerseits Niederlegung der Hausarbeit, andererseits aber auch Aktionen um grundsätzlich auf die Reproduktionsarbeit aufmerksam zu machen sowie Männer, welche Care Arbeit übernahmen, in den Streik zu integrieren.

In diesem Workshop möchten wir Aktivist*innen zu Wort kommen lassen, die in der feministischen Bewegung im Spanischen Staat stark involviert sind. Einerseits wollen wir uns damit beschäftigen, aufgrund welcher gesellschaftlicher Ursachen der Streik entstanden ist. Andererseits stellen wir uns die Frage, weshalb der Streik so schlagkräftig und breit abgestützt war. Wir versuchen zu bilanzieren, welche Erfolge aus dem Frauen*streik 2018 hervorgingen, wie die Mobilisierung im Spanischen Staat für den Frauen*streik am 8. März 2019 aussieht und was wir davon für den Frauen*streik in der Schweiz vom 14. Juni 2019 lernen können.

Mit Julia Cámara, Mitglied der nationalen Koordination des Frauen*streiks 2018 im Spanischen Staat und feministische Aktivistin von Anticapitalistas.

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Grüner Saal:
Widerstand im Kinderbetreuungswesen

Das Kinderbetreuungswesen ist ein Arbeitsfeld, in welchem verschiedene Problematiken aufeinandertreffen. Zum einen ist es ein klassisch feminisiertes Arbeitsfeld. In Kitas (Kinderkrippen) und Horten arbeiten zum grössten Teil junge Frauen*.

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Zum anderen ist der Schweizer Kitamarkt ein lukratives Investitionsfeld. Die meisten Kindertagesstätten werden von privaten, teilweise gewinnorientierten Stiftungen, Firmen und Startups betrieben. Grosse Kitaketten überbieten sich gegenseitig mit immer längeren Öffnungszeiten und werben um die Vergabe von Plätzen. Aber auch die öffentlichen, schulergänzenden Betreuungsangebote sind der Ökonomisierung und dem Spardruck ausgesetzt. Die Betreuungspraktiken in den neu entstehenden Tagesschulen gleichen, beispielsweise beim Mittagessen, regelrechten Massenabfertigungen.

Dies geschieht alles zu Lasten der Betreuer*innen: Schlechte Löhne, lange Arbeitstage, fehlende Gesamtarbeitsverträge, Einsatz von Hilfskräften, Praktikant*innen und Lernenden anstelle von ausgebildetem Pädagog*innen, Unterbesetzung des Personals, hohe Lärmbelastung und Stress gehören zum Standard.

Eine Gruppe von jungen Betreuer*innen will sich diese Bedingungen nicht länger gefallen lassen. Im Zuge der Proteste gegen die Sparmassnahmen im Kanton Zürich 2016 gründete sich daher die Trotzphase. Am letztjährigen Anderen Davos und am 1. Mai 2018 folgten erste öffentliche Auftritte. Weiter finden regelmässig Vernetzungstreffen mit Berufskolleg*innen und mit der Gewerkschaft VPOD statt. Der Zuwachs wie auch das mediale Interesse ist gross.

Es zeigen sich aber auch Schwierigkeiten beim Aufbau einer Basisgruppe im Betreuungsbereich: Die Zusammenarbeit mit den Gewerkschaften bringt immer wieder Diskussionen mit sich; es kommt zu Repression von Seiten der Betriebe; und vielen Betreuer*innen fehlt wegen der hohen Arbeitsbelastung schlicht die Zeit und Energie sich politisch zu engagieren.

Gemeinsam wollen wir diskutieren wie Widerstand im Betreuungsbereich erfolgreich aufgebaut werden kann. Wie sollen die konkreten Forderungen lauten? Wie können die Betroffenen erreichen und wie können die Eltern der Kinder eingebunden werden? Und nicht zuletzt stellt sich im Hinblick auf den Frauen*streik am 14. Juni 2019 die Frage, wie dieser zentrale feminisierte Arbeitsbereich in die Aktivitäten dieses Tages eingebunden werden kann. Ist eine Arbeitsniederlegung im Care Bereich überhaupt möglich? Welche alternativen Formen der Beteiligung gibt es?

Mit Aktivist*innen der Betreuer*innen-Gruppe Trotzphase und der Bewegung für den Sozialismus (BFS).

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Zimmer 22:
Streikbewegungen und deren Niederlagen in Frankreich

In der Schweiz gelten die französischen Lohnabhängigen als kämpferisch – bzw. je nach politischem Standpunkt als faul. Dabei macht die bürgerliche Presse bei jeder Streikwelle die französischen Gewerkschaften und ihre «unzeitgemässen und historisch überholten Forderungen» verantwortlich für den wirtschaftlichen Niedergang Frankreichs. Umso enthusiastischer feiert sie den derzeitigen, neoliberalen Totalangriff von Präsident Emmanuel Macron auf die sozialen Errungenschaften des Landes.

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Wie im Wahlkampf 2017 angekündigt, peitscht Macron einem Bulldozer ähnlich von den Unternehmen gewünschte Sozialabbaumassnahmen durch. Im Frühjahr 2018 kam es deshalb zu Streiks der Eisenbahner*innen gegen die Privatisierungspläne der staatlichen Eisenbahnen SNCF, den Streckenabbau sowie die Verschlechterungen der Arbeitsbedingungen. Auch die Studierenden mobilisierten sich gegen geplante Zugangsbeschränkungen zu den Universitäten. Zur selben Zeit befahl Macron auch die militärisch organisierte Räumung des besetzen Flughafengeländes Notre-Dame-des-Landes in der Nähe von Nantes. Anders als in anderen Jahren verliefen die Protestbewegungen allerdings weitgehend unabhängig voneinander und ein Zusammenschluss der Bewegungen («convergence des luttes») scheiterte. Begleitet wurden die Bewegungen zudem von einer massiven Repression und gezielten Attacken von faschistischen Banden auf die Protestierenden.

Wie schon die breite Protestbewegung gegen die neoliberale Arbeitsrechtsreform «loi travail» 2016, die Hunderttausende Arbeiter*innen und Studierende mobilisierte, konnten auch die Mobilisierungen 2018 die Angriffe der Regierung auf den Sozialstaat nicht stoppen. 

Macrons Pläne gehen inzwischen weiter. Als nächstes sollen die Arbeitslosen-, Kranken- und Rentenkassen einer Abbauorgie unterzogen werden. Damit nimmt er historische Errungenschaften ins Visier, die ihren Ursprung in der Zeit der Résistance im Zweiten Weltkrieg bzw. im «Programm des Nationalen Widerstands» (CNR) haben. 

Im Workshop fragen wir uns, warum es den Lohnabhängigen in Frankreich trotz massenhaften Streiks und Protesten in den letzten Jahren nicht mehr gelingt, die neoliberalen Angriffe zu stoppen, und was – insbesondere in gewerkschaftlicher Hinsicht – nötig wäre, um dies ändern. Dabei wollen wir diskutieren, inwiefern die Bewegung der «Gelben Westen», die seit November 2018 im ganzen Land gegen Macrons Regierungspolitik protestiert, einen Ansatz darstellen kann, um diese negative Entwicklung umzukehren.

Mit Christine Poupin, Chemiearbeiterin, Gewerkschafterin und Sprecherin der Nouveau Parti Anticapitaliste (NPA)

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Zimmer 24:
Unistreik! Arbeitskämpfe und Streiks an Hochschulen

In industrialisierten Ländern verbringt ein überwiegender Teil der Bevölkerung viele Jahre des Lebens an Bildungsinstitutionen. Diese sind ein zentraler Ort, wo Arbeitskräfte ausgebildet und Menschen von klein auf an gesellschaftliche Normen gewöhnt werden. Bildungsinstitutionen sind damit keine „neutralen“ Orte, sondern sind Teil von gesellschaftlichen Auseinandersetzungen und aufgrund ihrer Bedeutung oftmals auch politische Brennpunkte. Sparmassnahmen, Leistungsdruck, Überwachung, Rassismus und Sexismus lassen sich in ihren Auswirkungen direkt im Bildungssystem beobachten.

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Die Universitäten und Hochschulen, als «höchste»Stufe des Bildungssystem, haben in den letzten Jahrzehnten einen grundlegenden Umbau erfahren. Die Studierendenzahlen sind stark gestiegen, die Lehrgänge sind verschult worden und abgerechnet wird in sogenannten ECTS-Punkten. Die Universitäten und Fachhochschulen in der Schweiz «produzieren» einen grossen Teil der «Kopfarbeiter*innen», die von einer hoch spezialisierten und technologisierten Wirtschaft benötigt werden.

Gleichzeitig ist die Forschung, die an den Hochschulen betrieben wird, für viele Unternehmen ein so genanntes «Standortargument». Die Forschenden (vor allem Doktoranden, Post-Docs etc.) arbeiten dabei für eine schlechte Bezahlung in prekären und kurzfristigen Arbeitsverträgen. Ihre Forschungsergebnisse werden nicht selten im Rahmen von Forschungsprojekten praktisch gratis von Unternehmen übernommen. Zusätzlich stehen viele Professoren oder Mitglieder der Universitätsleitungen direkt mit Unternehmen in Geschäftsbeziehungen, sei dies durch Verwaltungsrats- oder anderen Mandate.

Doch Universitäten und Hochschulen sind auch immer wieder Orte des Widerstands. In Frankreich sind im Frühjahr 2018 an unzähligen Universitäten Hörsäle besetzt worden, um gegen die Politik von Präsident Macron im Allgemeinen und gegen seine Hochschulreform (die den Zugang zu den Universitäten drastisch beschneidet) zu protestieren. In Grossbritannien haben zur selben Zeit die Universitäts- und College-Angestellten mehrere Wochen gestreikt, um gegen eine Rentenreform zu protestieren, die ihre Renten komplett von den Finanzmärkten abhängig gemacht hätte. Und in Berlin liefen im letzten Jahr heftige Auseinandersetzungen um den Tarifvertrag der studentisch Beschäftigten (sogenannte «Hilfskräfte» an den Universitäten), die von mehreren längeren Streikphasen begleitet waren.

In diesem Workshop sollen insbesondere die Vernetzung und Solidarität zwischen Angestellten und Studierenden an den Hochschulen im Fokus stehen. Wie kann es gelingen, schlagkräftige Allianzen und Bündnisse über die einzelnen Interessen hinweg aufzubauen? Was können wir aus den Siegen und Niederlagen rund um die Kämpfe an den Hochschulen in Deutschland, Frankreich und Grossbritannien lernen?

Mit Aktivist*innen aus dem TVStud-Arbeitskampf in Berlin und Aktivist*innen aus den Uni-Kämpfen in Grossbritannien.

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Samstag, 12. Januar 2019, 14:30 – 17:00

Weisser Saal:
Frauen*streik 2019 in der Schweiz!

Knapp 30 Jahre nach dem Streik von 1991 wird in der Schweiz ein neuer Frauen*streik für den 14. Juni 2019 ausgerufen. Die nationale Demonstration «für Lohngleichheit und gegen Diskriminierung», die am 22. September 2018 mehr als 20.000 Frauen* und solidarische Männer* zusammenführte, steht am Anfang einer hoffentlich breiten feministischen Mobilisierung bis zum 14. Juni 2019.

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Der Kampf für die Rechte der Frauen* in der Schweiz hat eine lange und zähe Geschichte. Das Wahlrecht für Frauen* auf nationaler Ebene wurde in der Schweiz erst 1971 (letztes europäisches Land!) eingeführt; die Legalisierung des Schwangerschaftsabbruches im Jahr 2002 und das Recht auf Mutterschutz nach der Geburt tatsächlich erst im Jahr 2005. Von einer wirklichen Gleichberechtigung zwischen Männern* und Frauen* sind wir heute immer noch weit entfernt.

Seit dem Frauenstreik 1991 hat sich aber auch vieles verändert. Im Jahr 1991 arbeiteten vier von zehn Frauen außerhalb des Hauses, im Jahr 2017 waren es sechs von zehn Frauen. Im gleichen Zeitraum ging die Vollzeitbeschäftigung von Frauen zurück, was die Tür für erzwungene Teilzeitarbeit und Arbeit auf Abruf öffnete und eine Schicht prekärer weiblicher Arbeitskräfte schuf. Frauen* arbeiten nicht in den gleichen Bereichen wie Männer*, sie leisten nicht die gleiche Arbeit, sie arbeiten nicht die gleiche Anzahl Stunden. Diese geschlechtsspezifische Arbeitsteilung ist die wichtigste Ursache für die Ungleichheiten zwischen den Geschlechtern.

Gemeinsam mit Frauen* aus der französisch- und italienischsprachigen Schweiz sowie mit migrantischen Aktivist*innen wollen wir über Forderungen und Aktivitäten rund um den Frauen*streik diskutieren, damit alle Frauen*, die in der Schweiz leben und arbeiten, ihren Platz im Frauen*streik am 14. Juni 2019 finden können.

Mit Aktivist*innen der Bewegung für den Sozialismus (BFS) und des Frauen*streiks 2019.

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Grüner Saal:
Lehrer*innenstreiks in den USA

Im Frühjahr 2018 kam es in mehreren US-Bundesstaaten zu einer zuvor nie da gewesenen und sich bis heute weiterentwickelnden Streikwelle im Bildungsbereich. Ausgehend vom US-Bundesstaat West Virgina schwappte die Protestbewegung auf Oklahoma, Kentucky, Arizona und weitere Staaten über – fast ausnahmslos Staaten, die bei der Präsidentschaftswahl 2016 für Donald Trump gestimmt hatten.

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Zehntausende Lehrer*innen und Angestellte in Schulen streikten 2018 mit solidarischer Unterstützung der Schüler*innen, Eltern und anderen Angestellten des öffentlichen Dienstes gegen die unzumutbaren Arbeitsbedingungen, die schlechten Löhne sowie die unwürdigen Lernbedingungen. Doch die Streiks gingen weit über reine «bread-and-butter»-Themen hinaus. Sie kritisierten die seit Jahrzehnten verfolgte neoliberale Austeritätspolitik und forderten einen Stopp der Privatisierungen sowie der Steuergeschenke an die Reichen und Konzerne – also eine Abkehr von der herrschenden Politik, die der derzeitige Präsident vertritt. Die Streiks entwickelten sich daher zu einer gesamtgesellschaftlichen Auseinandersetzung.

Aufgrund der gewerkschaftsfeindlichen Gesetze in diesen Bundesstaaten waren die Streiks rechtlich gesehen «illegal» und daher zu weiten Teilen selbstorganisiert, wobei aufgrund der Feminisierung des Lehrer*innenberufs vielfach Frauen die tragende Rolle spielten. Gerade weil die Streiks von einer radikalen Basis getragen wurden, die fähig war, andere Teile der Arbeiter*innenschaft für gemeinsame Anliegen zu gewinnen, waren die Streiks in vielen Fällen sehr erfolgreich.

Es ist unklar, ob es nun gelingen wird, die Streiks mit anderen Protesten im Sinne einer intersektionalen Perspektive zusammenzubringen und weiterzuentwickeln. So finden derzeit Proteste von Schüler*innen gegen Waffengewalt an den Schulen, von Frauen gegen den sexistischen Rollback unter Donald Trump oder von der afroamerikanischen Community gegen die alltägliche rassistische Ausgrenzung statt. Gemeinsam mit einer Beteiligten der Lehrer*innenstreiks wollen wir über mögliche Perspektiven der Streikbewegung diskutieren, die sich mittlerweile auch auf Kalifornien und andere Staaten ausgeweitet hat. Wir fragen uns, inwiefern diese massiven Streiks als Modell für wirkungsvollen Widerstand gegen die Politik Donald Trumps dienen und damit einen Beitrag zu einer kämpferischen Erneuerung der US-amerikanischen Arbeiter*innenbewegung leisten können.

Mit Dana Blanchard, ehemalige Lehrerin in Kalifornien und Aktivistin der International Socialist Organization (ISO).

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Zimmer 22:
Gewerkschaften und Antirassismus in Italien

Im Juni 2018 übernahm in Italien eine Koalition der rechtsextremen Lega Nord und der politisch dubiosen, populistischen M5S (Fünf-Sterne-Bewegung) die Regierung. Unter dem Innenminister Matteo Salvini (Lega) betreibt die neue Regierung eine Politik der rassistischen Hetze gegen Migrant*innen und fördert aktiv das Massensterben im Mittelmeer.

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So kriminalisiert Italien Fluchthilfe und verbietet Schiffen, die Geflüchtete in Seenot retten, die Einfahrt in italienische Häfen. Darüber hinaus hat seit dem Amtsantritt Salvinis eine Welle der Gewalt gegen Migrant*innen und Roma das Land erfasst. Salvini verharmlost diese Angriffe, behauptet gar, Rassismus existiere nicht und sei eine Erfindung der Linken. Die lange Liste der Gewaltakte, die von rassistischen Beschimpfungen bis zu Attacken mit Schusswaffen und Totschlag reichen, spricht derweil für sich. Die Ermordung des Aktivisten Soumaila Sacko, Mitglied der Landarbeitergewerkschaft Unione Sindacale di Base (USB), ist ein besonders verstörendes Beispiel dieser Entwicklungen. 

Während diese Intensivierung rassistischer Gewalt in Italien ein relativ neues Phänomen ist, gibt es die Ausbeutung migrantischer Arbeiter*innen im Landwirtschaftssektor unter sklavenähnlichen Bedingungen schon lange. Tödliche Arbeitsunfälle, unmenschliche Arbeitsbedingungen und bei Frauen* sexuelle Belästigung, gehören in diesem kriminellen System organisierter Schwarzarbeit zum Alltag. Seit einigen Jahren kämpfen jedoch viele der meist aus afrikanischen Ländern stammenden Landarbeiter*innen selbstorganisiert in der Basisgewerkschaft USB sowohl gegen die rechte Gewalt auf den Strassen und die unmenschliche Migrationspolitik Salvinis, als auch gegen die rassistische Ausbeutung in der Landwirtschaft. 

In diesem Workshop möchten wir einerseits die Herausforderungen und Perspektiven von Arbeitskämpfen und gewerkschaftlicher Organisierung im Bereich von migrantischer Schwarzarbeit diskutieren, andererseits aber auch die Frage nach der Rolle von Gewerkschaften und Streiks im Kampf gegen die Rechte und den Rassismus aufwerfen. 

Mit Eliana Como, Gewerkschafterin und Aktivistin der Sinistra Anticapitalista in Italien und eine*r Aktivist*in der Basisgewerkschaft USB.

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Zimmer 24:
Arbeit 4.0: Arbeitskämpfe bei Amazon in Deutschland

Seit fünf Jahren streiken Arbeiter*innen von Amazon in Deutschland in regelmässigen Abständen. Trotz der gewerkschaftsfeindlichen Politik von Amazon konnten dadurch einige Verbesserungen erkämpft werden. Amazon ist weltweit für schlechte Arbeitsbedingungen und ein extrem aggressives Verhalten gegenüber Gewerkschaften (und gewerkschaftlicher Organisierung) bekannt, ähnlich wie eine Reihe anderer «neuer» Dienstleistungsunternehmen (bspw. Ryanair, Zalando).

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Ausdruck dieser Gewerkschaftsfeindlichkeit sind zum Beispiel Mitarbeiterinformationsvideos, welche Gewerkschaften als «unübliches Gruppenverhalten» bezeichnet und darauf hingewiesen, dass mögliche gewerkschaftliche Organisierung beobachtet werden soll.

An all ihren Standorten steht Amazon für tiefe Löhne, allgemein schlechte Arbeitsbedingungen und das Umgehen von Steuern. Der Besitzer von Amazon, Jeff Bezos, ist mit geschätzten 150 Milliarden Dollar Vermögen der mit Abstand reichste Mensch der Welt.

Trotzdem konnten die Arbeiter*innen immer wieder Druck auf den gigantischen Konzern ausüben, gerade wenn sie in für das Unternehmen wichtigen Jahreszeiten (bspw. Weihnachtszeit) streikten und auch weil sie sich international vernetzen. So fand im Juli 2018 ein internationaler Aktionstag statt, an dem es in Deutschland, Polen und im Spanischen Staat) zu Streiks und Streikaktionen kam. 

Den Versuchen der Unternehmen die gewerkschaftliche Organisierung und Solidarität zu untergraben spielt die gesellschaftliche Entwicklung einer Erstarkung von Rechtsextremen Parteien – in Deutschland die Alternative für Deutschland (AFD) – in die Hände. Gerade auch weil die Rechte regelmässig Versuche unternimmt, um in den Gewerkschaften Fuss zu fassen. Gleichzeitig gibt es auch unter den Gewerkschaftsmitgliedern viele, welche in der momentanen Situation die AFD wählen. So wählten bei den Bundestagwahlen 2017 ca. 15% der Gewerkschaftsmitglieder die AFD.

Der Frage, wie die Rechte bekämpft und in feindlichem Umfeld trotzdem gewerkschaftliche Organisation und Solidarität aufgebaut werden kann, soll im Workshop diskutiert werden.

Mit Violetta Bock, Aktivistin derInternationalen Sozialistischen Organisation (ISO) und aktive Unterstützerin der Amazon-Streiks in ?? und einer*m gewerkschaftlich organisierten Amazon-Arbeiter*in.

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Samstag, 12. Januar 2018, 19:00 – 21:30, Weisser Saal

Abendplenum: Frauen* streiken weltweit!

Frauen* reicht‘s! Feministische Bewegungen erleben einen Aufschwung, weltweit gehen Millionen von Frauen* auf die Strasse. Im Spanischen Staat streikten am 8. März 2018 rund 6 Millionen Frauen*. Sie legten sowohl die Lohn- als auch die unbezahlte Sorgearbeit nieder. Sie konsumierten nicht. Sie zeigten so, was für einen essentiellen Beitrag Frauen* an der Gesellschaft leisten, der oft unsichtbar, im Privaten, geschieht und kaum Wertschätzung erfährt. Im ganzen Land demonstrierten Frauen*und solidarische Männer*. In vielfältigen Aktionen thematisierten sie Probleme aus ihrem Alltag als Frauen*. Gestärkt von diesem Erfolg rufen Frauen* zu einem nächsten feministischen Streik im Spanischen Staat am 8. März 2019 auf.

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Auch in Deutschland soll es am 8. März 2019 einen Frauen*streik geben. Nachdem 2018 bundesweit die Demonstrationen und Aktionen am internationalen Frauen*kampftag grösser waren als in den vergangenen Jahren, entschieden sich Aktivistinnen* in Berlin, Leipzig, Nord-Rhein-Westfalen, und Freiburg einen Frauen*streik nach Vorbild des Spanischen Staates auszurufen.

In der Schweiz hatten bereits am 14. Juni 1991 eine halbe Million Frauen unter der Parole: «Wenn Frau will, steht alles still» gestreikt, um endlich die Umsetzung des 10 Jahre in Kraft getretenen Gleichstellungsartikels durchzusetzen. Da auch 27 Jahre später die gesellschaftliche Gleichstellung von Frauen* in weiter Ferne scheint, wird für den 14. Juni 2019 erneut zum Frauen*streik aufgerufen. Dabei gehen die Forderungen über die Gleichstellung auf dem Papier hinaus: Frauen* fordern die Vergesellschaftung der Sorge- und Reproduktionsarbeit, das Ende der geschlechtsspezifischen Arbeitsteilung, das Recht über den eigenen Körper zu bestimmen, die Bekämpfung von sexualisierter Gewalt, Schluss mit der Diskriminierung aufgrund der sexuellen Orientierung, und eine Gesellschaft ohne Rassismus und Fremdenfeindlichkeit. Diese Forderungen entstehen aus den konkreten Lebensrealitäten der Frauen*, und deshalb folgen diesen Forderungen ständig weitere. 

Auf diesem Podium möchten wir mit involvierten Aktivistinnen* über ihre Erfahrungen in der Organisierung, über Schwierigkeiten und Forderungen, sowie von der Wichtigkeit von Frauen*streiks und einer notwendigen Mobilisierung über die Streiks hinaus sprechen. 

Mit

Julia Cámara, Mitglied der nationalen Koordination des Frauen*streiks 2018 im Spanischen Staat und feministische Aktivistin von Anticapitalistas,

Michela Bovolenta, nationale Frauensekretärin des Verbands des Personals öffentlicher Dienste(VPOD),

Leandra dos Santos, Aktivistin der Betreuer*innengruppe «Trotzphase» aus Zürich,

Frieda Heumann, Aktivistin der Industrial Workers of the World (IWW) undder Frauen*streikkampagne 2019 in Deutschland,

und Caterina Storni, Aktivistin der Bewegung für den Sozialismus (BFS).

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