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Am Rande vermerkt: Die Keystone-Pipeline leckt

Die Geschichte entbehrt nicht einer gewissen traurigen Ironie. Während an der Klimakonferenz in Bonn darum gerungen wird, dem seit langem zum Scheitern verurteilten Pariser Klimaabkommen einen erfolgreichen Anstrich zu verleihen, informiert die Ölfirma Transcanada am 16. November über ein Leck in ihrer Ölpipeline namens Keystone. Laut dem Konzern sind im US-amerikanischen Bundesstaat South Dakota nahezu 800’000 Liter Öl ausgetreten. Die Befürchtungen vieler Umweltschutzaktivist*innen wurden somit bestätigt. Sie kämpfen seit Jahren gegen diese Pipeline und deren Erweiterung, weil sie die Umwelt vergiftet und zum globalen Ausstoss von Treibhausgasen beiträgt.
Die Keystone-Pipeline gehört zu den Prunkstücken der US-amerikanischen und kanadischen Ölindustrie und ist Teil eines 4’300 km langen Förderungssystems, welches das Rohöl aus dem kanadischen Alberta in den Süden transportieren soll. Der Rohstoff stammt aus dem besonders umweltschädlichen Abbau von Ölsanden und gehört somit zu jenen Erdölreserven, die eigentlich nicht ausgebeutet werden dürfen, wenn das vom internationalen Klimaabkommen festgesetzte Ziel der Begrenzung der Erderwärmung auf 2°C erreicht werden soll.
Nichtsdestotrotz planen die US-Regierung und die Erdölindustrie fleissig den Ausbau dieser Pipeline. Seit Jahren stösst die Keystone XL Pipeline, eine Erweiterung der bestehenden Linie, auf grossen Widerstand, sodass sich Präsident Obama seinerzeit gezwungen sah, das Vorhaben einzustellen. Zu den ersten Amtshandlungen des neuen Präsidenten Donald Trump gehörte jedoch die Wiederaufnahme dieses und anderer Pipelineprojekte, wie beispielsweise der Bau der nicht minder umstrittenen Dakota Access Pipeline.
Laut der Mitteilung von Transcanda hat das jüngste Leck zu keiner Verschmutzung von Grundwasserreserven geführt. Sollte sich dies bestätigen, kann nur von Glück gesprochen werden. Die Pipeline führt nämlich über wichtige Grundwasserreserven und zahlreiche Umweltaktivist*innen warnen seit Beginn ihrer Inbetriebnahme vor der drohenden Verschmutzung dieser für die Region zentralen Wasservorkommen.
Das Leck trat in der Nähe des Reservats der Sisseton Wahpeton Oyate Indigenen auf. Auch dieser Umstand ist bezeichnend, gehören die Indigenen dieser Region doch zu den wichtigsten Gegner*innen dieser und anderer Pipelines, weil sie berechtigterweise gegen die damit verbundene Umweltverschmutzung sowie gegen die Enteignung ihres gemeinschaftlichen Landes durch Erdölfirmen kämpfen.
Die Schweiz ist in dieser Sache alles andere als unbeteiligt, denn die hier ansässigen Banken investieren grosse Summen in Erdölfirmen. So besitzen sowohl die Crédit Suisse als auch die Schweizerische Nationalbank Anteile an Transcanada. Während sich die Schweizer Regierung als Vorreiterin für Klimaschutz inszeniert, schaut sie aktiv weg, wenn hier ansässige Konzerne in die Förderung fossiler Brennstoffe investieren und so die Zukunft des Erdsystems akut gefährden.
Der jüngste Vorfall hat erneut gezeigt, wie wichtig der Widerstand gegen die Pipelineprojekte im Norden der USA ist. Die Keystone XL sowie die Dakota Access Pipeline gefährden nicht nur die lokalen Ökosysteme, sondern stellen als Mittel zur grenzenlosen Ausbeutung fossiler Brennstoffe die Zukunft des gesamten Planeten aufs Spiel. An vorderster Front kämpfen diese Aktivist*innen für eine klimagerechte Welt. Sich ihnen gegenüber solidarisch zu zeigen, bedeutet auch, die Macht der in der Schweiz ansässigen Konzerne zu bekämpfen!
von Milo Caplero

[Am Rande vermerkt] ist eine Serie von Kurzartikeln. Wir wollen damit tagesaktuelles Geschehen kommentieren, einordnen, auf Veränderungen aufmerksam machen. Eine konsequente linke, antikapitalistische Politik zeichnet sich unseres Erachtens nicht nur dadurch aus, die grossen Analysen abzuliefern. Vielmehr gehört es für uns dazu, auch kleinere, unscheinbare Entwicklungen, skandalöse Aussagen und Auffälliges einordnen zu können.

Die kurze Form, der eher flüchtige Charakter und die zeitliche Nähe, die allesamt diese Artikelserie ausmachen, führen dazu, dass die hier geäusserten Einschätzungen vorübergehend sein können und nicht zwangsläufig mit den Ansichten unserer Organisation übereinstimmen müssen. Die Autor*innen und die verwendeten Quellen sind deshalb jeweils gekennzeichnet. Textvorschläge sind jederzeit herzlich willkommen.

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