Home Für den Frauen*streik am 14. Juni 2019!

Warum einen Frauen*streik?

In den Letzten zwei Jahren sind feministische Forderungen auf der ganzen Welt lauter geworden. «Ni una Menos / Ni una di Meno» in Argentinien / Brasilien und Italien, die «Women’s Marches» in den USA oder der Black Protest in Polen sind nur einige Beispiele davon. Im Spanischen Staat haben am 8. März 2018 landesweit Frauen gestreikt und gezeigt, was es heisst, wenn Frauen sich dafür entscheiden, die bezahlte und unbezahlte Arbeit nicht mehr zu erledigen. Am selben Abend sind sechs Millionen Frauen und solidarische Männer auf die Strassen gegangen.

Knapp 30 Jahre nach dem ersten und bislang letzten Frauenstreik in der Schweiz 1991 ist ein zweiter umfassender Frauen*streik bitter nötig. Der Frauenkongress des SGB (Schweizerischer Gewerkschaftsbund) hat im Januar 2018 entschieden, für den 14. Juni 2019 zum Frauen*streik aufzurufen. Dass es zu einem Streik kommen wird, steht mittlerweile fest. Dies haben auch die 20’000 Menschen klar gemacht, die am 22. September 2018 an der Demo für Lohngleichheit in Bern auf die Strasse gegangen sind.

Wir unterstützen den Aufruf zum Frauen*streik 2019!

20’000 Menschen an der Demo für Lohngleichheit am 22. September in Bern!

Am 22. September 2018 fand in Bern eine schweizweite Demonstration für Lohngleichheit und gegen Diskriminierung statt. Die Demo mit rund 20’000 Teilnehmer*innen und einem lauten Frauen*streikblock war ein starkes Zeichen und ein wichtiger Schritt in Richtung des schweizweiten Frauen*streiks am 14. Juni 2019.

Unsere Forderungen für den Frauen*streik 2019

1. Für eine Kollektivierung der Pflege und Erziehungsarbeit!

Anstatt die in der Regel unbezahlte Carearbeit den Frauen zu überlassen oder unter schlechten Bedingungen an migrantische Arbeitskräfte zu delegieren, fordern wir öffentliche Einrichtungen und Initiativen, durch welche Carearbeit gesellschaftlich anerkannt und kollektiv organisiert wird: Flächendeckende Kinderkrippen, Unentgeltliche Tagesstrukturen, öffentliche Mittagstische, Wäschereien etc.

2. Für eine gleichberechtigte Gesellschaft, in denen alle die gleichen Lebensperspektiven haben!

Kinder werden von Geburt an als «Mädchen» oder «Jungen» bezeichnet und dementsprechend erzogen. Dies zeigt sich in der Erziehung, in der Schule, in der beruflichen Ausbildung oder auch in der Freizeit. Wir fordern eine sofortige Aufwertung schlecht bezahlter und oft von Frauen geleisteter Arbeitsbereiche und ein Ende der Lohndiskriminierung! Darüber hinaus fordern wir eine drastische Arbeitszeitverkürzung und einen Mindestlohn, der es uns allen ermöglicht, unser Leben selbstbestimmt zu gestalten und gegen Ungleichheit und Diskriminierung anzukämpfen.

3. Für das uneingeschränkte Recht der Frauen, über den eigenen Körper zu bestimmen!

In unserer patriarchalen Gesellschaft fühlen sich Männer tendenziell legitimiert, Frauen zu dominieren und zu kontrollieren. Dies äussert sich in sexistischem Verhalten, sexualisierter Gewalt bis hin zu Vergewaltigung und körperlicher und physischer Gewalt gegen Frauen. Wir fordern ein Umdenken hin zu einer Gesellschaft, in der Gewalt und Diskriminierung keinerlei Akzeptanz finden. Wir verurteilen die Straflosigkeit von Tätern und ermutigen Frauen, sich gemeinsam zu organisieren, um Selbstvertrauen zu gewinnen und sich zu verteidigen. Wir verteidigen das Recht auf Schwangerschaftsabbruch und seine Finanzierung durch die Krankenversicherung. Wir fordern kostenlose Verhütungsmittel.

4. Für eine freie Wahl der eigenen Identität und der sexuellen Orientierung!

Die geschlechtliche Arbeitsteilung und die Rollenbilder erzeugen eine Norm der Heterosexualität, die von fundamentalistisch-religiösen Kreisen fanatisch verteidigt wird. Wir verurteilen die Diskriminierung von Menschen aufgrund ihrer sexuellen Orientierung, sei es am Arbeitsplatz, in der Familie, im Gesetz oder auf der Strasse und fordern eine Gesellschaft, in der alle über ihre eigene Identität und ihre sexuelle Orientierung frei bestimmen dürfen.

5. Für einen intersektionalen und klassenkämpferischen Feminismus!

Wir verurteilen jegliche Formen (pseudo-)feministischer Ansätze, die im Namen von Frauenrechten eine fremdenfeindliche und / oder islamophobe Politik vertreten. Ein grosser Teil der Beschäftigten in der Schweiz sind Immigrant*innen, Frauen mit Migrationshintergrund sind genauso – wenn nicht noch mehr – von Gewalt, Diskriminierung und Ausbeutung betroffen. Wir lehnen es ab, dass Lohnabhängige aufgrund ihrer Herkunft oder Nationalität diskriminiert oder gegeneinander ausgespielt werden. Wir lassen uns nicht spalten! Nur wenn wir uns nicht nur gegen die Geschlechterdiskriminierung, sondern auch gegen jede Form des Rassismus und der sozialen Ungleichheit zur Wehr setzen und feministische Anliegen mit anderen Kämpfen verbinden, können wir die derzeitigen patriarchalen und kapitalistischen Verhältnisse überwinden!

Frauenstreik 1991 – historisches Vorbild

Fernsehbericht zum Frauenstreik 1991. Sehr schön zu sehen sind die vielfältigen Aktionsformen und die Breite der Mobilisierung.

Ein Blick in die Geschichte

Der Kampf für die Rechte der Frauen in der Schweiz hat eine lange und zähe Geschichte. Das Wahlrecht für Frauen auf nationaler Ebene wurde in der Schweiz erst 1971 (letztes europäisches Land!) eingeführt; die Legalisierung des Schwangerschaftsabbruches im Jahr 2002 und das Recht auf Mutterschutz nach der Geburt tatsächlich erst im Jahr 2005.
Im Hinblick auf die Gleichstellung der Geschlechter wurde am 14. Juni 1981 ein Verfassungsartikel zur Gleichstellung von Männern und Frauen angenommen. Jedoch mussten Frauen 1990 feststellen, dass der 1981 eingeführte Gleichstellungsartikel nicht zu einer Aufhebung der Ungleichheiten zwischen Männern und Frauen führte. Um dagegen etwas zu unternehmen, lancierten sie einen schweizweiten Frauenstreik.

Frauenstreik 14. Juni 1991

Die Idee wurde am Kongress des Schweizerischen Gewerkschaftsbundes (SGB) im Oktober 1990 bestätigt. Überall begannen Frauen darüber zu reden und organisierten sich. Es gab etwa fünfzig Streikkomitees und am 14. Juni 1991 demonstrierten 500‘000 Frauen in Krankenhäusern, Schulen, in den Medien, im Einzelhandel, in der Druckerei oder Chemie, aber vor allem in Arbeiter*innenvierteln, Städten und Dörfern, bei Kundgebungen und Picknicks. Damit haben sie die ganze kostenlose Arbeit sichtbar gemacht, die sie jeden Tag leisten.

Mit dem Frauenstreik vom 14. Juni 1991 wurde eine Gesetzgebung zur Umsetzung des Verfassungsartikels gefordert. Die Forderungen der Frauen betrafen die bezahlte Arbeit (Recht auf Arbeit, Lohngleichheit, AHV-Rente) und die soziale Reproduktionsarbeit (Aufteilung von Haushalts- und Bildungsaufgaben, Eröffnung von Kindertagesstätten, Mutterschaftsversicherung). Sie sprachen sich gegen Vergewaltigung und Gewalt, für das Recht auf Selbstbestimmung über ihren Körper und ihre Reproduktionsrechte (Recht auf Abtreibung und Verhütung) und gegen männlich geprägte Modelle im Bereich von Wissen und Politik etc. aus. Im ganzen Land organisierten sich Frauen, um die für sie unerträglichsten Aspekte anzuprangern und zu zeigen, dass sie existieren.

Als Folge des Frauenstreiks trat 1996 ein Gesetz über die Gleichstellung von Männern und Frauen in Kraft, ohne allerdings wesentliche Änderungen zu bewirken. Von einer wirklichen Gleichberechtigung zwischen Männern und Frauen sind wir heute, 37 Jahre nach der Einführung des Gleichstellungsartikels, immer noch weit entfernt. Parallel zum Fortbestehen der Lohndiskriminierung, der geschlechterspezifischen Arbeitsteilung und der Zuordnung von Frauen zur sozialen Reproduktionsarbeit, gehen Vergewaltigung und Gewalt nicht zurück und sexuelle Belästigungen sind nach wie vor eine Normalität, die Frauen in ihrem Recht auf Selbstbestimmung über ihren Körper empfindlich einschränkt.

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